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Erkennungszeichen?!
Kennen wir alle aus unserem Alltag und aus unserer Gesellschaft.

Ein paar Beispiele:

  • Angefangen im frühen Christentum. Hier gab es das geheime Erkennungszeichen des Fisches für die Menschen, die sich Christus zugehörig fühlten.
  • Ein uns sehr bekanntes Erkennungszeichen ist das Hallo und Tschüss sagen, wenn wir anderen Menschen begegnen und uns von diesen wieder verabschieden.
  • Ein gesellschaftliches Erkennungszeichen ist die von den Vereinten Nationen entstandene transnationale Bewegung „Black Lives Matter“, welche sich durch eine symbolische Körperhaltung zu erkennen gibt: die nach oben gestreckte Faust und der Kniefall. Manchmal braucht es eben keine Worte. 

Aber worauf möchte ich hinaus? Zeit für eine kleine Exkursion in die Gebärdensprache. Auch hier funktioniert Kommunikation ohne Worte. Gehörlose Menschen haben sich ein Zeichen zur Kommunikation überlegt, welches ich besonders als Lehrerin im BBZ Stegen und als Gehörlosenseelsorgerin wunderbar finde. Es ist das Erkennungszeichen der Handform „ILY“. Bestehend aus der Buchstabenkombination I, L und Y. Diese weltweit bekannte Handform bedeutet „I Love You“ und kommt ursprünglich aus der amerikanischen Gebärdensprache (ASL). In der Gebärdensprachgemeinschaft ist diese Gebärde weit verbreitet und wird in vielen Ländern als Symbol der Liebe, der Solidarität und des Friedens angewendet. Außerdem soll sie eine positive Emotion darstellen, beispielsweise wird sie bei Gruppenfotos unter gehörlosen Menschen oder vor einem Publikum im Sinne von „Hallo, alles ok“ verwendet.

Ist das nicht ein wunderbares Erkennungszeichen, von dem wir noch alle viel lernen können? Einfach meinem Gegenüber „ILY“ zeigen, natürlich nicht im erotischen Sinne, sondern als Ausdruck der Verbundenheit, der Solidarität und des Friedens. Kommunikation ganz ohne Worte. Das wünsche ich mir und uns allen, dass wir die Wichtigkeit solcher kleinen Gesten erkennen und weitergeben - auf dass es friedlicher auf unserer Welt wird. Also: „I Love You“.

Ihre/eure Merrit Diederichs (Diakonin im Schuldienst und Gehörlosenseelsorgerin Südbaden)

Vom 10. bis 16. Februar 2024 traten 11 Pfarrerinnen und Pfarrer des Bezirkskonvents Breisgau-Hochschwarzwald eine Studien- und Begegnungsreise nach Mitteldeutschland an; drei weitere Teilnehmende mussten leider krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Das Thema der Studientagung: Taufe und ihre Relevanz in Geschichte und Gegenwart.

Erstes Ziel der Reise war Magdeburg, die Hauptstadt Sachsen-Anhalts. Kirchlich ist Magdeburg der Sitz des jüngsten deutschen, römisch-katholischen Bistums Magdeburg. Der evangelische Magdeburger Dom ist die Predigtkirche des Landesbischofs der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, Friedrich Kramer, mit Amtssitz in Erfurt. Im Magdeburger Dom wurde 2007 die sogenannte Magdeburger Tauferklärung verabschiedet. In ihr erklären 11 Kirchen* für das Gebiet Deutschlands das gemeinsame Grundverständnis ihrer Tauftheologie; wechselseitig erkennen sie damit die Taufe des jeweils anderen an.

In einem Podiumsgespräch mit Unterzeichnern wie auch einem Nichtunterzeichner der Magdeburger Tauferklärung wurde die Relevanz der Erklärung in der jeweils eigenen Gemeindepraxis ausgelotet. Die Gesprächspartner waren Domkapitular Daniel Rudloff, Landesbischof Friedrich Kramer, Pastor Winfried Bolay (EMK) und Gemeindeleiter Marco Hauffe von der Neuapostolischen Kirche.

Die nächste Station war Halle. Die 6. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD (2023) bescheinigt der kirchlichen Taufpraxis eine hohe Wertschätzung bei gleichzeitig rückläufiger Taufbereitschaft. Anders als die binnenkirchliche Sicht der Taufe als Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden, spielt die familiäre Sicht auf die Taufe als einem zentralen Familienfest eine zunehmend wichtige Rolle. Auf diese ausgeprägte Erwartungshaltung werden wir in unserer Taufpraxis reagieren müssen. Der Ruf nach eigenen Taufgottesdiensten ist dabei unüberhörbar.

Anders als im Südwesten Deutschlands stellt die kirchliche Situation Sachsen-Anhalts mit unter 20% katholischen und evangelischen Kirchenmitgliedern eine Herausforderung dar. Um zu konfessionslosen Menschen in Beziehung zu treten, die niemals einer Kirche angehörten, haben katholische und evangelische Gemeinden in Mitteldeutschland das Modell der sog. Lebenswendefeier als Alternative zur Jugendweihe entwickelt. Ein Erfolgsmodell mit allein in Halle jährlich mehr als 600 teilnehmenden Jugendlichen. In vorbereitenden Seminartagen auf diese Feier mit einer Rückschau auf die eigene Entwicklung und einem Ausblick auf eigene Träume, Wünsche und Ziele machen junge Menschen und ihre Familien hier eine positive Erfahrung mit dem für sie bis dahin fremden Raum der Kirche.

Eisleben mit seinem Zentrum Taufe in der Taufkirche Martin Luthers inspirierte mit seinem in den Boden Kirche eingelassenen runden Taufbecken dazu, über Formen der Ganzkörpertaufe nachzudenken – die in ihrer Praxis nicht länger evangelischen Freikirchen vorbehalten bleiben sollten.

In Auseinandersetzung mit Gedanken des Politikwissenschaftlers und Experten für Beteiligungsprozesse, Erik Flügge, betrachteten wir die Kasualpraxis der Taufe aus der effizienzbasierten Sicht eines Betriebswirts, was in vielerlei Hinsicht erhellend wie zugleicht alarmierend war.

Im thüringischen Jena setzten wir uns mit den Anfängen der Täuferbewegung in und um Jena auseinander, begleitet wurden wir dabei von Professor Dr. Joachim Bauer, einem profunden Kenner der Reformationsgeschichte, der uns den anfänglich strittigen Werdegang der lutherischen Tauftheologie plastisch vor Augen führte.

Als letzte Station unserer Reise besuchten wir Erfurt. Im ehemaligen dominikanischen Predigerkloster, der heutigen evangelischen Predigerkirche, beleuchteten wir im Gespräch mit Pfarrer Dr. Holger Kaffka die Erfurter Praxis der Tauffeste an der Gera, außerdem informierten wir uns über verschiedene Formate angebotener Glaubenskurse.

Im Anschluss führte uns die Theologin, Historikerin und Buchautorin Dr. Anne Bezzel in anschaulicher Weise das Leben und Wirken des Dominikaners und Mystiker Meister Eckart vor Augen – ein alternativer Zugang zum christlichen Glauben, der noch heute viele Menschen unmittelbar anspricht.

Außerdem richteten wir unsere Aufmerksamkeit auf die Spuren jüdischen Lebens, die Erfurt jüngst den Titel des UNESCO-Weltkulturerbes einbrachten. Wie gut, dass die notwendige Kultur des Erinnerns damit auch finanziell gesichert ist.

Am Ende unserer Reise, die uns an neuen Erfahrungen, Wissen und erlebter Gemeinschaft reich beschenkt hat, stand eine erste Bündelung der Fragen und Ideen, die wir in der Erneuerung unserer Taufpraxis als zentrale Herausforderungen für unsren Kirchenbezirk betrachten.

Wir werden weiter daran arbeiten, dass im Transformationsprozess EKIBA 2032, die ein oder andere Neuerungsidee im Blick auf unsere Taufpraxis in unserem Kirchenbezirk Realität wird. Dabei leitet uns die Überzeugung, dass eine lebensnahe Tauftheologie, als eine kontinuierliche, altersbezogene Lebensbegleitung und Tauferinnerung, einen nachhaltigen und generationsübergreifenden Beitrag im Aufbau und der Gestaltung der Kooperationsräume unseres Kirchenbezirks Breisgau-Hochschwarzwald darstellt.

Pfarrer Andreas Guthmann


* die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die Orthodoxe Kirche in Deutschland, die Evangelisch-Methodistische Kirche (EMK), die Selbständig Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), die Evangelische Brüder-Unität – Herrnhuter Brüdergemeine, das Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland (AKD), die Armenisch-Apostolische Orthodoxe Kirche in Deutschland, die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche in Deutschland und die Arbeitsgemeinschaft Anglikanisch-Episkopaler Gemeinden in Deutschland

Chormusik mit Mitgliedern der Markgräfler Bezirkskantorei. Leitung. Horst K. Nonnenmacher
Liturgie: Pfarrer Dr. Marcus Held.