„Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60,2)

 

Auch in diesem Jahr stehen wir vor der Frage, wie Kirche unter sich verändernden Bedingungen handlungsfähig bleiben kann und wie Kirche von morgen aussehen könnte. Diese Fragen waren auch Thema der Pfarrkonferenz im Januar. Es ging darum, Erfahrungen zu teilen, Perspektiven auszutauschen und gemeinsam nach tragfähigen Wegen zu suchen.

 

Inmitten dieser Fragen richtet der Wochenvers der ersten Woche im Februar den Blick auf eine Zusage: „Über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir.“ (Jesaja 60,2). Der Vers verschweigt die Dunkelheit nicht. Er nimmt ernst, dass Unsicherheit, Ermüdung und offene Fragen Teil der Wirklichkeit sind. Gerade in diese Situation hinein wird zugesagt, dass Gottes Licht Orientierung schenken will, nicht als fertige Lösung, sondern als Gegenwart, die den Weg erhellt.

 

Orientierung kommt nicht allein aus Analyse und Planung, sondern auch aus dem Vertrauen, dass Kirche nicht allein von unserem Tun lebt. Für unser gemeinsames Kirche-Sein ist das eine entlastende und zugleich herausfordernde Zusage. Kirche ist nicht zuerst das Ergebnis unserer Anstrengungen, Konzepte oder Strukturdebatten. Sie lebt davon, dass Gott selbst gegenwärtig ist – in unseren Planungen, unseren Meinungsverschiedenheiten, in dem, was uns sorgt.

 

Gemeinsam Kirche gestalten heißt, Verantwortung zu teilen, Unterschiedlichkeit auszuhalten und Entscheidungen gemeinsam zu tragen. Gottes Gegenwart ist dabei kein Gegenpol zu sachlicher Diskussion, sondern der Rahmen, in dem Zusammenarbeit gelingen kann. Wo wir so unterwegs sind, wird Kirche mehr als Organisation: Sie wird Raum für Hoffnung. Die Zusage aus Jesaja erinnert daran, dass Orientierung wachsen kann - nicht trotz, sondern mitten in unseren Fragen. Und dass Kirche dort Gestalt gewinnt, wo Menschen sich gemeinsam auf den Weg machen.


- Franziska Grausam, Jugendreferentin im bezirklichen Dienst -

 

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Naturbild, Italien; Franziska Grausam