Wenn man nach zwei Wochen Jugendfreizeit mit 41 anderen Menschen nach Hause kommt, ist es erst Mal verhältnismäßig still. Man beginnt zu realisieren, was man in einer intensiven und turbulenten Freizeit immer wieder verdrängt hat. Ja, übermorgen geht der Alltag wieder los. Mit allem was dazu gehört. Die anderthalb Tage zwischen Ankunft in Breisach und Rückkehr ins Büro reichen da natürlich bei weitem nicht aus, um sich zu erholen. Wenn ich dann erschöpft im Büro ankomme und darüber nachdenke, warum ich Jahr für Jahr seit nun mehr 16 Jahren zuerst als Teilnehmer, später als Leiter auf Jugendfreizeiten fahre, fällt mir eine Antwort zu finden trotzdem nicht schwer.

Es sind einfach ganz besondere Momente, die eine Freizeit zu einem der schönsten Teile meiner Arbeit machen. Gemeinsam mit einem wunderbaren Team Programm planen und durchführen, gemeinsam Musik machen, aber auch viele sehr tiefgründige Gespräche werden mir auch in diesem Jahr in Erinnerung bleiben. Nicht zuletzt sind es auch die tollen Freizeitorte, wie in diesem Jahr das alte italienische Landhaus in der Toskana, die Freizeiten zu einem besonderen Teil meiner Arbeit machen. Auch deswegen kommt es nicht selten vor, dass ich angesprochen werde, ob das eigentlich auch Urlaub sei, da ich ja dort arbeite wo andere Urlaub machen. Denen sage ich dann gerne, dass sie doch einfach mal mitkommen sollen, um selbst die Erfahrung zu machen, wie es ist nach zwei Wochen intensiver Freizeit nach Hause zu kommen. Was für mich bleibt, ist das Gefühl der erfüllten Erschöpfung und die Gewissheit, viel bewegt zu haben und natürlich die Vorfreude auf das nächste Jahr, dann in Worms.

Oliver Münch, Gemeindediakon in Breisach

Karlsruhe/Buea. Mit der Schließung ihrer Schulen hat die Presbyterian Church in Cameroon (PCC) auf die Entführung von Schülerinnen und Schülern in Bamenda reagiert. „Damit ist auch der letzte Versuch gescheitert, Kindern und Jugendlichen in den anglofonen Krisengebieten Kameruns zumindest ein wenig Normalität und Perspektive im Bürgerkrieg zu bieten“, sagt der Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh. Mit der PCC verbinden die Evangelische Landeskirche in Baden langjährige Partnerschaften. „Wir stehen in der Verantwortung“, betont Cornelius-Bundschuh. Mittlerweile sind laut Vereinten Nationen 250.000 Menschen obdachlos und auf der Flucht.

Der Kirchenpräsident der PCC, Pfarrer Samuel Fonki Forba, hatte Landesbischof Cornelius-Bundschuh im Frühjahr 2018 besucht und die badische Kirche um ihr Engagement dafür gebeten, dass sich europäische Regierungen für eine friedliche Konfliktlösung und einen breiten gesellschaftlichen Dialog in Kamerun einsetzen: „Wenn Deutschland und Frankreich jetzt politisch handeln, können sie vielleicht schlimmeres Blutvergießen verhindern“, war Fonkis Botschaft im Mai. Dementsprechend hatten sich Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und der Präsident der Protestantischen Kirchen in Elsass-Lothringen UEPAL, Christian Albecker, nach dem Besuch von Moderator Fonki an die Bundesregierung und den französischen Präsidenten gewandt, damit diese auf die Konfliktparteien einwirken.

Dagegen hatte die Süddeutsche Zeitung im Oktober von deutscher Militärhilfe an die Regierung Kameruns berichtet. „Gewalt erzeugt Gewalt, wer will, dass die Menschen in Kamerun in Frieden leben können, muss den Dialog fördern“, so der badische Landesbischof. Am Sonntag, 11. November, sei nicht nur der Tag „unserer deutsch-französischen Friedenserklärung der Religionen“, sondern auch der Tag „einer starken Friedenserklärung“ der Presbyterian Church in Cameroon. Mitten im Bürgerkrieg, angesichts vertriebener und getöteter Pfarrer und Gemeindemitglieder rufe Moderator Fonki darin seine Kirche zur Nachfolge Jesu aufrufen, „der uns Feindesliebe gelehrt hat“, berichtet Landesbischof Cornelius-Bundschuh. „Das ist auch unsere Überzeugung hier in Europa. Doch wieviel einfacher ist es, dies zu vertreten in Zeiten des Friedens“, betont der Landesbischof. Kamerun brauche „unser Gebet und unsere Unterstützung“.

Während noch im vergangenen Jahr ein Pfarrer der PCC als ökumenischer Mitarbeiter in der badischen Landeskirche tätig war, seien Partnerschaftsbesuche mittlerweile durch den eskalierenden Bürgerkrieg unmöglich, erläutert der südbadische Ökumenebeauftragte der Landeskirche, Pfarrer Eberhard Deusch aus Umkirch, und ergänzt: „Dörfer von Partnergemeinden wurden von Regierungstruppen niedergebrannt“. Glücklicherweise seien die meisten Kinder, in dieser Woche aus einer Schule entführt wurden, inzwischen wieder frei. Der Schulleiter und zwei Lehrer seien allerdings weiter in der Gewalt der Entführer. Die badische Landeskirche ruft ihre Gemeinden deshalb für kommenden Sonntag, 11. November, zu einer Fürbitte für die Entführten und für den Frieden in Kamerun auf.

Im Namen der Kirchenleitung der PCC verurteilt Moderator Fonki in seiner Rede (online abrufbar über ekiba.de) zum 11. November als Tag der Presbyterian Church in Cameroon die Einschüchterungen und Morde durch die Separatisten und das Militär in Kamerun gleichermaßen. Er verurteilt die Gewalt gegen Unbewaffnete in den Krisenregionen, die Angriffe auf Bildungseinrichtungen und dass Kinder gehindert daran werden zur Schule zu gehen. Er ruft die Zentralregierung auf, einen Friedensplan auszuarbeiten, der die Konflikte lösen kann und auch die wahren Ursachen mit berücksichtigt. Die Diaspora, also Kameruner in Amerika und Europa, ruft er dazu auf, nicht mit „hate speech“ die Gewalt noch weiter anzufachen. Die Christen der PCC ruft er auf zu beten und genauso bürgerschaftliche Verantwortung zu übernehmen und jegliche Gewalt abzulehnen.

Spenden im Rahmen des Nothilfe- und Wiederaufbauprojektes für Kamerun von Mission 21 sind willkommen:

Evangelische Bank eG, IBAN: DE91 5206 0410 0000 0011 80, BIC: GENODEF1EK1

Online-Spenden sind möglich unter altruja.de/bmdz-spenden/spende

Weitere Informationen zur Lage in Kamerun finden Sie unter brennpunktkamerun.org