"Sei gnädig! Jeder Mensch, dem Du begegnest, hat Verletzungen und innere Kämpfe, von denen Du nichts ahnst. Sei gnädig!" Diese Nachricht auf meinem Handy legt mich für kurz lahm. Ich bin auf dem Weg zu einem Gespräch. Heute rede ich Klartext! So geht es nicht weiter! Und dann: diese Nachricht - sei gnädig! Das nimmt mir den Wind aus den Segeln. Ich hatte mir meine Argumente schon so vielversprechend zu recht gelegt. Und nun diese Nachricht. Sie verändert alles.

Innere Kämpfe von denen ich nichts ahne? Ich weiss um meine inneren Kämpfe - die sind mitunter heftig. Davon ahnt vermutlich auch niemand etwas. Schon garnicht wer mit mir "ins Gericht" geht. Mir wird bewusst wie sehr ich aus der Gnade der Menschen um mich herum lebe. Und natürlich von seiner: Gott.

Im Buch Micha lese ich: "Wer ist ein Gott wie du, der die Sünde vergibt und die Missetaten seines Volkes verzeiht?" Bei ihm, Gott, fängt es an. Er vergibt uns - wie oft wohl schon? Da können und dürfen wir es nicht anders tun; zumindest ernsthaft bemühen müssen wir uns!

Der Sohn Gottes, Jesus, beschreibt sich selbst mit genau zwei Eigenschaften: "Ich bin gütig und von Herzen demütig!" Wie der Vater so also auch der Sohn? Naja, in jedem Fall sollten wir - seine Nachfolger*innen - dafür bekannt sein: Güte und Demut - mit uns selbst; und mit den anderen: "Denn wir ahnen nichts von ihren Verletzungen und inneren Kämpfen!"

Florian Böcher, Diakon in Ihringen am Kaiserstuhl
 

Schuldekan Dirk Boch im Gespräch mit Pfarrer Fritz Breisacher