Neulich im Lehrer*innenzimmer, nach einer intensiven Stunde, mit vielen Gesprächen, sitze ich im leeren und leisen Lehrer*innenzimmer. Dieses Gefühl der Ruhe ... ist nicht die Ruhe vor dem Sturm, sondern nach dem Sturm. Die Ruhe, um den eigenen Gedanken nachzuspüren, durchzuatmen, Pause zu machen. Die Geschwindigkeit wird gedrosselt.
Ein wunderbarer Moment, dem Alltagstrubel zu entkommen. Und ich höre nicht nur in mich hinein, sondern spüre den Gesprächen nach, in denen ich als Zuhörerin gefragt wurde. Im Gespräch mit Menschen zu sein, heißt für mich vor Allem Hören. Dem Gegenüber Raum geben, die frohe Botschaft, die Sorge, die Idee oder den Wunsch auszusprechen und gehört zu werden.
In der Bibel, im Buch des Jakobus (1,19) lesen wir vom Hören und Reden mit der passenden Geschwindkeit.
„Ihr sollt wissen, meine lieben Geschwister: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.“
Hier werden wir aufgefordert, die Geschwindigkeit zuerst zu erhöhen und für die nächste Reaktion, zu drosseln. Denn wie viel wichtiger ist es einander zuzuhören, als eine schnelle und manchmal unpassende Antwort parat zu haben. Denn, indem wir zuhören, unterstützen wir unser Gegenüber, sichtbar zu werden als Person mit dem persönlichen Anliegen. Zuerst einmal HÖREN und gemeinsam nachspüren, was es danach braucht. Denn selbst, wenn danach eine „schnelle Reaktion“ benötigt wird, darf diese in Ruhe und mit Nachdruck wirken.
Doch hier möchte ich beim Hören bleiben. Denn wir, also als Familie, Nachbarschaft oder Kolleg*innen sind in einer Art gemeinsam unterwegs. Und für ein gelingendes Miteinander ist es wichtig, in sich selbst hineinzuhören, zu spüren, was einen selbst bewegt, um passende Worte und Reaktionen zu finden, um auch für andere da sein zu können.
Daher wünsche ich Ihnen, diese Ruhe nach und vor dem Sturm, zum Innehalten und Durchatmen!
Diakonin Mareike Gebert (MGL 1/ Markgräflerland 1: Bad Krozingen, Ehrenkirchen-Bollschweil, Mengen-Hartheim, Wolfenweiler)
„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“ Exakt so hat Martin Luther diese Worte damals vor dem Wormser Reichstag 1521 wahrscheinlich nicht gesprochen, aber inhaltlich passen sie. Sie stehen bis heute für Mut, Gewissen und persönliche Verantwortung. Mit seinem Widerstand gegen Missstände in Kirche und Gesellschaft löste der Wittenberger Reformator eine Entwicklung aus, die die Welt nachhaltig veränderte und deren Impulse bis in unsere Zeit reichen.
Die Botschaft dahinter bleibt aktuell. Sie erinnert uns daran, dass Haltung, Gewissen und Verantwortung auch im 21. Jahrhundert unverzichtbar sind.
Auch heute leben wir in einer Zeit großer gesellschaftlicher und politischer Herausforderungen. Debatten werden immer schärfer geführt, Meinungen prallen oft unversöhnlich aufeinander. Der Reformationstag erinnert uns daran, dass Veränderung dort beginnt, wo Menschen Verantwortung übernehmen, nach Wahrheit suchen und den Mut haben, ihre Stimme einzubringen.
Luthers Anliegen war dabei nie bloßer Protest. Es ging ihm um die Frage: Was trägt? Worauf können Menschen vertrauen? Die reformatorische Antwort lautete: auf Gottes Zusage, die jedem Menschen Würde, Freiheit und Verantwortung schenkt.
Gerade in politischen Diskussionen kann uns dieser Gedanke leiten. Demokratie lebt vom Streit um die besten Wege, aber auch vom Respekt voreinander. Reformation bedeutet deshalb nicht, alles niederzureißen, sondern Bestehendes kritisch zu prüfen und gemeinsam nach besseren Lösungen zu suchen.
So ist der Reformationstag mehr als ein Blick zurück. Er ist eine Einladung, heute mutig, verantwortungsvoll und hoffnungsvoll die Gesellschaft mitzugestalten.
Außerdem: Herzliche Einladung zu einem besonderen Gottesdienst mit Predigt von Dekan Schmid-Hornisch in Bad Krozingen am 31.10. 2026. Weitere Infos
und
"Kneipengottesdienst" am 31.10. 2026 in Schliengen zum Reformationstag. Weitere Infos
Bild von Bruder Leonardo, Pixabay.
Quellen: https://www.pro-medienmagazin.de/vor-500-jahren-hier-stehe-ich-ich-kann-nicht-anders/
Wikipedia: Martin Luther, Reformation.
"Furcht und Vertrauen"
Zentraler Reformationsgottesdienst des Kooperationsraumes rund um den Batzenberg
Predigt: Dekan Dirk Schmid-Hornisch


