Es ist still. Und dunkel. Ab und an hört man ein Räuspern oder leises Rascheln. Die Glocken schweigen noch. Seit Karfreitag. Seit der Erinnerung an Jesu Tod am Kreuz von Golgatha. Mitten hinein in die Stille erklingen Worte: „In dieser Nacht lädt die Kirche in aller Welt dazu ein, Ostern zu feiern.“ Ein Gänsehautmoment: Überall auf dem Erdball zünden Menschen heute das Osterfeuer an, Entzünden die Osterkerze, ein Licht der Hoffnung mitten in einer Welt des Todes. Ich kenne sie nicht persönlich, die Menschen in den Kriegs- und Krisenregionen unserer Welt. Und doch fühle ich mich ihnen nah. Früh am Ostermorgen überwiegt die Hoffnung, dass es wieder gut werden kann, dass Kriege enden, dass Menschen zusammenleben - in Frieden. Eine Hoffnung, die sich auf das leere Grab Jesu am Ostermorgen gründet. Vielleicht eine verrückte Idee, dass ein Mensch den Tod überwunden hat. Aber, mal ehrlich: Ist es nicht viel verrückter zu meinen, mit Hass und Gewalt könne irgendetwas besser werden? Da halte ich mich lieber an die Osterbotschaft: Dass es auch mal ganz anders kommen kann als erwartet. Es braucht solche Feiern wie Ostern. Nicht nur für Christen. Damit wir den Mut nicht verlieren. Auch wenn uns alle für verrückt erklären. Wir wollen Frieden. Wir wollen, dass unsere Kinder und Enkel noch auf dieser Erde leben können. Wir wollen eine demokratische und vielfältige Gesellschaft und Kirche. Wenn am Ostersonntag überall auf der Welt die Glocken wieder zu läuten beginnen, ist das für mich der Sound der Hoffnung. Er zieht sich einmal über den ganzen Erdball. Er verbindet Menschen, die im Frieden leben dürfen, mit anderen, die auch den Ostermorgen im Luftschutzbunker verbringen müssen. Wer die Osterhoffnung in sich trägt, hofft für die mit, denen jede Hoffnung genommen wurde. Ein weitweites Hoffnungsband wird in der Osternacht geknüpft. Niemand kann es zerschneiden. Es ist getragen durch die verrückte österliche Idee, dass alles auch ganz anders kommen kann als erwartet: Gut! Frohe Ostern!
Dirk Schmid-Hornisch, Dekan, Bad Krozingen
Wenn sich die erwachsenen Kinder nicht mehr melden, selbst an Feiertagen und an Geburtstagen kein Lebenszeichen mehr kommt, wenn Briefe ungeöffnet zurückkommen und so gar nicht klar ist, warum, dann stehen die betroffenen Eltern verletzt und gekränkt vor vielen Fragen: Hätten wir etwas anders machen können? Warum nur bei uns? Haben wir etwas falsch gemacht? Was wird aus unseren Enkeln?
Auch im privaten Umfeld wird geschwiegen oder die Eltern machen die Erfahrung, dass sie auf Unverständnis stoßen oder selbst von den engsten Freunden kluge Ratschläge bekommen. Viele ziehen sich aus Scham zurück, weichen aus, wenn nach den Kindern gefragt wird, und fühlen sich zunehmend isoliert. Unsere Gesprächsgruppe ist ein Angebot, über die eigenen Verlustgeschichten zu sprechen. Davon sind mehr Menschen betroffen, als man ahnt. Vielleicht gelingt es, die eigene Sprachlosigkeit zu durchbrechen und gemeinsam zu entdecken, was trotz allem das Leben doch lebenswert und schön macht.



