Wochenspruch

Worte zum Tag

Das mit den "schönen Pforten" ... EG 166

01.05.2012

 Jetzt sind sie wieder unterwegs. Besonders an sonnig-warmen Wochenenden. Manchmal mit einem kleinen Rucksack samt Vesper fürs Picknick auf einer grünen Wiese mit einer schönen Aussicht. Und irgendwo entdeckt man sie dann. Wie ein Zeigefinger weisen sie nach oben: die Kirchtürme. Als ob das da oben auch wichtig wäre.

Und wenn man ihnen dann näher kommt, steht man schließlich vor einer Kirchtüre. Hoffentlich nicht verschlossen. Verschlossene Kirchen künden von einer verschlossenen Kirche. Da kommt nichts rein, da geht nichts raus. Hab’ zum Glück noch nie ein Schild mit der Aufschrift „Geschlossene Gesellschaft“ an einer Kirchtüre hängen sehen. Wäre auch seltsam.

Über die Schwelle muss man allerdings schon gehen; egal wie hoch man sie empfindet. Und dann tut sich eine andere Welt auf. Hoffentlich freundlich und einladend, aufgeräumt und wohltuend. Abseits von Lärm und Hektik, abseits von Waren und Geld. Eine eigene Welt – allerdings mitten in der Welt. Vielleicht begrüßt sogar eine brennende Kerze.

Das Baugeschichtliche und Kunstgeschichtliche mag hie und da hochinteressant sein. Wäre es aber alles, wäre es viel zu wenig. Ist ja auch ein Gotteshaus und kein Museum. Hier muss mehr sein. Deshalb sich ruhig niederlassen und die Stille hören und den Dingen Raum geben und allem Zeit lassen. Wird vielleicht schon lange höchste Zeit.

Allein in einer Kirche. Allein mit Gott im Hause Gottes. IHM mein Herz hinhalten. Meist so voll – und doch so leer. Einfach hinhalten. ER weiß schon was damit anzufangen. ER kennt sich damit aus. ER hört auch, was ich nicht sage.

Und irgendwann aufstehen und wieder hinausgehen - in unsere alte, rastlose Welt. Und irgendetwas mitnehmen. Natürlich ohne etwas mitzunehmen. Also ein Bild, ein biblisches Wort, eine Empfindung, ein Eindruck. Und das alles nicht das letzte Mal.

Und zwischendurch auch mal mit andern zusammen. Man kann nämlich auch gemeinsam am Sonntagmorgen in aller Herrgottsfrüh bei schönem Wetter sich auf die Wanderschaft machen und irgendwo am Gottesdienst in einer Kirche teilnehmen und danach fröhlich die Strasse ziehen. Sie können dafür schon mal den kleinen Rucksack bereitstellen. Samt dem Gesangbuch drin.

Ach ja: auch ein herzhaftes Vesper nicht vergessen. Und wenn´s denn sein darf, auch etwas Wein. Natürlich nur für danach.

Werner Häfele, Pfr.
Bischoffingen (01.05.2012)

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