Von glücklichen Bäumen und ebensolchen Menschen

"Die Bäume wären die glücklichsten Geschöpfe,  wenn sie wüssten, wie frei und lustig sie wohnen, wie schön sie sind im Frühling und im Sommer, wenn alles stehenbleibt und sie betrachtet und Gott dankt, oder wenn sich der Wanderer ausruht in ihrem Schatten, und wie sie Wohltaten austeilen können, und jung und alt froh machen umsonst, und im Winter allein nicht heimgehen." (J. P. Hebel)

Bäume schenken den Menschen so viel: Im Frühjahr die Fülle der Blüten, in der Sommerhitze Schatten, im Herbst Früchte, und selbst im Winter ihres Lebens sterben sie nicht einfach ab, sondern dient ihr Holz noch dem Menschen zum Bauen oder als Wärmequelle.

Menschen können wie Bäume sein. Großzügig verschenken, für andere da sein, die Fülle ausbreiten, lieben und gelassen sein, freundlich und gütig, ihr eigenes Leben wie einen guten Duft verströmen, an dem andere froh und frei werden. 

Aber wie kann es sein, dass ich werde wie ein Baum, der in jeder Lebensphase reichlich an andere verströmt? Das biblische Wort, das über diesem Monat September steht, gibt uns einen Hinweis: "Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes." (Prediger 3,13).

Ist mir nicht alles geschenkt? Ist mir nicht alles anvertraut? Sehe ich nicht jeden Tag, wie Gott für mich sorgt, wie er alles zum Besten wendet? Gewiss. Es gäbe jeden Tag tausend Gründe, unglücklich und unzufrieden zu sein.

Aber was für ein Erlebnis, wenn die Sonne über den Horizont kriecht, wenn ich die frische Luft des Morgens atme. Wie schön das kühle Wasser zwischen meinen Händen rinnt. Ich darf darauf vertrauen, dass mein himmlischer Vater mich mit allem versorgen wird, was ich für mein Leben wirklich brauche. Ich darf guten Mutes sein, das heißt voller Gelassenheit und Vertrauen, dass er mein Vater ist und es gut mit mir meint. Glauben heißt, die guten Gaben, die Gott mir schenkt, mit Freuden dankbar annehmen und genießen und darüber ein Mensch werden, für den gesorgt ist und der deswegen auch für andere sorgen kann. Ein Christenmensch, der gelassen lebt und andere gelassen leben lässt, der großzügig sein darf, weil er eines erlebt hat, dass Gott zu uns großzügig ist.

Dann wird man das glücklichste Geschöpf, das Gottes Erdboden bewohnt - und was kann einem Besseres widerfahren als dies?

Dr. Uwe Hauser
Schuldekan (1.09.10)



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